Am nächsten Morgen werden wir um kurz vor halb zwölf wach. Nach ein paar kurzen Dehnübungen und einer Dusche schaffen wir es gerade noch rechtzeitig zum Mittagessen, dass von halb zwölf bis um halb eins in der Messe serviert wird.
Es gibt Chicken: Chickensoup und Chicken mit Pommes. Großartiges Frühstück wenn einem doch ein ganz klein wenig flau im Magen ist. An das Rollen des Schiffes muss ich mich wirklich erstmal wieder gewöhnen. Nach dem Essen geht es dick angezogen raus aufs Deck.
Um vier Uhr sollen wir schließlich schon in Le Havre sein. Die französische Steilküste ist schon am Horizont auszumachen und es dauert auch nicht lange bis ein Lotsenboot auf uns zu schießt und ein Le Havre Pilot an Bord steigt.
Wir Passagiere haben uns auch wieder auf der Brücke versammelt und versuchen mitzubekommen was hier passiert. Aus dem Mischmasch aus französischem Schummelenglisch und Russisch können wir wieder die Befehle von Lotse an den Rudergänger raushören. Durch das Fahrwasser nähern wir uns langsam der Stadt. Und wie unsere Mitreisende nüchtern kommentiert, laufen wir eigentlich eine Stadt im Ostblock an. Riesige Plattenbauten empfangen uns, auch die 420er Trainigsgruppe davor kann die Kulisse nicht verschönern. Immerhin scheint die Sonne. In Schrittfahrt geht es durch den riesigen Hafen, wieder können wir nicht erkennen wo hin ein Hafenbecken nach dem anderen tut sich auf.
Am Ende fahren wir wieder in eine Schleuse ein. Das gleiche Spiel wie gestern Abend beginnt, Leinen werden übergeworfen. Nur, dass die Franzosen nicht zu zweit daran ziehen, um sie über den Poller belegt zu bekommen. Nein, hier wird die Wurfleine über eine Automatik auf dem Pick-up gelegt und die Leine wird von alleine dicht gezogen. Tja, man muss nur wissen, wie man sich die Arbeit vom Hals hält. Nach dem Passieren der Schleuse werden wir an zwei Schlepper gehängt und ab geht es im nächsten Hafenbecken zu unserem finalen Liegeplatz.
Die Schlepper leisten ganze Arbeit und kurze Zeit später liegen wir am Kai. Irgendwann hat man sich auch geeinigt wie fest gemacht wird hinten mit drei Festmacherleinen! Nun ist das Erlebnis für heute auch vorbei, langsam wird es dunkel und der Stadtausflug ist auch erst für morgen angesetzt. Wir verziehen uns in die Kabine und beginnen mit dem Schreiben dieses Berichtes.
Um halb Acht geht es dann wieder los zum Abendessen. In der Messe gibt es einen großen Tisch für sechs Personen, hier sitzen der Kapitän oder die Offiziere und zwei mitreisende Techniker. Aber die sprechen alle immer russisch und haben aufgegessen bevor ich überhaupt mein Brot in die Vorspeise getunkt habe. Dann gibt es zwei 4er Tische. An einem dieser Tische haben sich die zwei Hamburger schon ihre Stammplätze eingerichtet. Eine ältere Dame und ein älterer Herr, die beide alleine reisen und die beide die komplette Tour mitmachen, die beide mit spitzen st sprechen. Dann gibt es noch ein älteres Ehepaar aus der Schweiz, die auf die entspannte Tour nach Costa Rica reisen, um sich dort sechs Wochen das Land anzusehen. Und noch ein Paar, er aus Holland, sie aus Spanien, mehr wissen wir noch nicht. Ein Abendessen lang bietet sich immer Gesprächsstoff aber wie wäre es nur, wenn wir mit diesen Leuten fünf Wochen reisen müssten, mit vier Mahlzeiten am Tag!!?!
Der Tag endet mit einer Partie Backgammon in der Kabine. (ch)
OK. Leute ich weiß, dass Ihr am Quai Bougainville liegt! Wie ich das weiß? Hier in Hamburg lief Werbung für http://www.vesseltracker.com. Mit dieser Seite kann man auf einer Karte sehen wo die Hornbay grade ist. Mit ca. 2h Verzögerung, aber das ist ja bei Containerfrachtern keine Zeit, wie ich grade beim Lesen gelernt habe 😉
Auf der Seite muss man sich anmelden, ist aber umsonst.
Ich werde euch also verfolgen! Virtuell, aber besser als nix.
Ach ja, Gratuliere, dass die Anreise und alles geklappt hat! Den Champus hattet Ihr Euch verdient!
Viel Spaß bei der Überfahrt, Mast-und-Schotbruch,
Hendrik.
Liebe Charlotte, lieber Tom,
ich habe vorhin Euren Anruf abgehört und mich gefreut, dass Ihr an meinen Geburtstag gedacht habt, obwohl Ihr so viel neue Eindrücke aufnehmen müßt. Es geht mir einigermaßen. Die Vitrus-Grippen-NAchwirkungen muß ich wohl noch weiter ausschwitzen.
Ich wünsche Euch alles, alles Gute! Vor allem keine Seekrankheit!
Kommt gut rüber. Herzliche Umarmung von
Tante Lore