Best of Guadeloupe

(26.01.09 // ch) Nach fünf Tagen Guadeloupe lässt sich zusammenfassen: das Meer und die Sonne sind das Beste  (und das einzig Tolle) was die Insel hat.

unsere bucht in gosier bucht charlet vor leuchturm

In den letzten fünf Tagen sind wir so viel gelaufen, wie schon lange nicht mehr – na gut, nach 10 Tagen Essen und Sitzen ist das auch gar nicht so schlimm – aber da immer noch gestreikt wird, bleibt uns nichts anders übrig, als alle Strecken zu Fuß zu machen. Und das sind nicht wenige.Am ersten Tag waren wir noch so forsch einen kleinen Stadtrundgang in der Mittagshitze zu machen. Dabei haben wir festgestellt, dass der Ort in dem wir wohnen entsetzlich runtergekommen ist, an der Hauptstrasse jedes dritte Haus leer steht oder einfach mit Sperrmüll zugestellt ist und selbst die Beach Resorts, die es hier auch gibt, alles andere als Sterneklasse haben. Zudem sind davor Streikposten aufgebaut. Das heißt, dass die Streikenden die Müllcontainer davor entleert haben und die Touristen in ihren Mietwagen nicht raus lassen. Im Supermarkt gibt es nicht alles zu kaufen und das, was es gibt, ist wahnsinnig teuer. Selbst deutsche Tankstellenpreise sind nichts dagegen und das Obst, entgegen dem wie man es auf einer Sonneninsel erwarten würde, nicht mal lecker (ach ja, die Bananen und die Ananas kommen ja eh gleich in die Kühlcontainer der Frachtschiffe und werden nach Europa verschifft). Eigentlich ist es also überhaupt gar nicht verwunderlich, dass die Menschen hier im Streik sind. Und das sind sie, soweit wir es mit unserem Schulfranzösisch verstehen, weil ihnen alles zu teuer ist. Wir sind sofort auf ihrer Seite! 

 hautstrasse hütte hütte2

 Am nächsten Tag wollen wir ins 30 km entfernte St. Francois, wo sich laut Reiseführer, ein großer Yachthafen befindet. Da immer noch kein Bus fährt, müssen wir bis zur Hauptstraße vorlaufen, um dann unser Glück mit Trampen zu versuchen. Es bedarf insgesamt über neun Mitfahrgelegenheiten bis wir an unserem Ziel ankommen. Zwischendurch sind wir zwei Mal wegen einer Straßensperre ausgestiegen und einige 1000 m gelaufen (geschätzt) bevor wieder ein Auto kam. Das Gute am Trampen ist aber, dass wir in Kontakt kommen. Zwar nehmen uns auch Touristen mit aber die Mehrzahl der Fahrer sind Einheimische: schwarz und weiß gemischt. Alle erzählen uns, dass sie der Streik nervt. Es ist zwar richtig, dass die Preise hier absurd hoch sind und die Abhängigkeit von Frankreich der Insel nicht gut tut aber die Art und Weise des Streikes nicht die Richtige ist und einfach nur ausgenutzt wird von einer kleinen Gruppen von „Aggros“ die sich darauf freuen, in der Nacht ein paar Straßensperren aus Müllbergen anzuzünden.  St. Francois ist eine absolute Enttäuschung. Der Yachthafen ist noch nicht mal so groß wie der Potsdamer Yachtclub, die Schiffe aber weniger bewegt. Und auch sonst ist der Ort zum Schlafen verdammt. Ok, müssen wir also unverrichteter Dinge wieder zurück. Diesmal haben wir unglaubliches Glück. Zwei schwarze Mamis haben scheinbar das Gefühl, dass sie an uns armen Touristen wieder etwas gut zu machen haben, und fahren uns weiter als sie eigentlich wollen. Denn sie wissen genau, Touristen bringen der Insel Geld und wenn die Touristen – seien es auch dumme deutsche Backpacker – nicht wieder kommen, dann sieht es im nächsten Jahr noch schlechter hier aus und noch weniger Restaurants werden öffnen können, weniger Häuser gepflegt und Strände gesäubert werden. 

 der hafen von st. francois immerhin die sonne scheint

Da wir unsere erste Unterkunft nur für zwei Nächte haben, machen wir uns zurück in Gosier auf die Suche nach einer Neuen. Zum Glück war der erste Fahrer, der uns morgens mitgenommen hatte, ein Belgier, der seit Jahren auf der Insel wohnt und billig Zimmer und Autos vermietet. Großartig. Wenigstens mal etwas. Nach kurzer Zeit haben wir die Bleibe gefunden und uns erstmal für die nächste Nacht ein Zimmer reserviert.  Am nächsten Morgen regnet es. Also kein Frühsport. Dafür packen und unsere Riesen-Rucksäcke in einem 30.min. Fußmarsch durch die ganze Stadt schleppen.

papageienunterkunft bier in papageinunterkunft grinsebacke thomas sinnflut und sonne

Noch nicht genug gelaufen, wollen wir heute zum Yachthafen in Point a Pitre. Wieder heißt es, vorlaufen bis zur Hauptstrasse (hier rechnen wir uns mehr Chancen aus und müssen auch nicht jedes Mal von Neuem mühsam auf Französisch erklären was wir wollen). Und wir haben echt Glück, gleich das erste Auto – und ich sach noch: in so einem Auto will ich mal fahren – hält ein dicker, neuer Chrysler an. Ein Franzose mit seinem Sohn nimmt uns mit, er wohnt direkt im Yachthafen und erklärt uns noch kurz wo wir hin sollen. Toll, aufregend und dann verlässt uns der Mut. Wir hängen unsere Mitsegel-Gesuchs-Zettel auf, schlendern einmal den Steg mit den Yachties aus aller Welt auf und ab. Der innere Schweinehund ist doch recht groß und wir beschließen erstmal in die Stadt zu gehen, statt die Leute einfach anzuquatschen. Also machen wir uns erstmal auf den Weg in die Innenstadt. Die wollen wir ja schließlich auch noch sehen. Erstmal geht es durch ein fast Slum-artiges Meer aus Wellblech, Müll und Straße. Kann aber gar nicht so schlimm sein, denn vor jeder dritten Hütte parkt ein fast brandneues Auto. Langsam und mit weiteren Unterhaltungen wird uns klar was auf dieser Insel so läuft und warum mit der HORNBAY so viel BMWs und Porsches unterwegs sind. Alles was auf dieser Insel – und das wirklich hauptsächlich bei den Schwarzen – zählt, ist das Auto. Egal wie dein Haus aussieht, egal ob du am 20ten eines Monats nicht mehr zu Essen hast, Hauptsache ist, dass du ein Auto hast. Sonst bist Du niemand. Wir sind im Moment also Niemand. Denn nicht mal Goldschmuck haben wir (und wie uns später jemand sagt: bei den Einheimischen zählt nur: das Auto, der Grabstein, das Klamotten und die Frauen!).Downtown Point a Pietre ist so ziemlich das Traurigste an Stadt was ich gesehen habe. Na gut, es ist Samstagnachmittag und alle Geschäfte sind geschlossen Aber es sieht auch eher so aus als würden diese nie wieder öffnen. Oder sind erst gar nicht eröffnet worden. Wir schaffen es einmal bis zum Quai zu laufen, an dem gerade ein großes Kreuzfahrtschiff festgemacht hat. Davor in einem eingezäunten Gebiet werden ein paar Souvenirs verkauft. Ein Großteil der Reisenden ist aber noch an Bord und nutzt den Pool. Komisch. Bald kommt die Erklärung. In den letzten Jahren sind so viele Tagesbesucher in der Hauptstadt ausgeraubt worden, dass nun kaum noch jemand an Land geht oder die Schiffe gar nicht erst die Insel anlaufen. Kein Wunder, dass es mit dem Tourismus zurückgeht und soviel weniger Restaurants etc. in Betrieb sind.Wir laufen noch mal durch den Slum in den Hafen, von uns ein nettes junges Paar mit nach Grosier nimmt. Auch sie finden den Streik bescheuert, warnen uns aber noch mal an diesem Abend das Haus besser nicht zu verlassen. 

charlet in pop. vorort von ptp  weihnachtsbaumkirche in ptp 

Die nächsten zweit Tage sind schnell zusammengefasst: in unserer Herberge gibt es WLAN und so verbringen wir einen Teil des Tages dort, um zu Recherchieren was nun zu tun ist. Die Reisemöglichkeiten von dieser Insel sind begrenzt und gehen hauptsächlich nur auf die andere französische Insel Martinique – aber von den Franzosen haben wir echt genug. In den Crewbörsen kommen wir auch nicht so recht voran. Das einzige was wir wissen: bis zum Ende der Woche wollen wir hier weg sein, denn bald wird überhaupt kein Auto mehr fahren (da ja alle Tankstellen weiterhin bestreikt werden) und das Sortiment im Supermarkt wird sicherlich auch nicht besser. Zudem verbringen wir die Abende immer in unserem Zimmer: alle haben uns geraten, dass das Besser ist; die Reste der brennenden Blockaden haben wir ja gesehen. Und abgesehen davon – es gibt in diesem Ort auch keine wirklich einladende Bar – nein, es gibt überhaupt nur ein Geschäft, was überhaupt nach Bar aussieht. Aber dort kostet ein Bier fünf Euro. Mhh. Ich bezweifle, dass sich das lohnt! 

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