(16.04.09 // ch) Was kann man an einem Ostermontag besseres machen als auf eine Insel zu fahren, auf der vor 12 Jahren ein Vulkan ausgebrochen ist und die halbe Insel zerstört hat?
Seit dem wir hier in der Karibik sind, wollen wir nach Montserrat, die Insel, die einst dafür bekannt war, dass Stars wie Sting und Georg Harris auf ihr luxuriöse Ferienhäuser hatten, aber nun zum Großteil nicht mehr bewohnbar ist. Das Problem an Montserrat ist, dass es nur zwei kleine Buchten gibt, in denen man ankern darf. Diese sind aber wiederum bei nordöstlichen Winden so schlecht geschützt, dass man Glück haben muss, ein Wetterfenster zu erwischen bei dem man als Segler kommen kann, um einen entspannten Tag auf der Insel verbringen zu können. Wir haben uns lange überlegt, ob wir der Shamrock das zumuten können (da die Shamrock ja eine Rennyacht ist, ist der Anker mehr schlecht als recht und der Strom der Batterie reicht auch nicht aus, um einen Ankeralarm im GPS einzuprogrammieren). Ostersonntag haben wir beschlossen, dass wir unser Glück dennoch versuchen. So sind wir am Ostermontag um sechs Uhr morgens in St. Kitts aufgebrochen.
Die Überfahrt war angenehm, mit relativ wenig Wind und nach acht entspannten, sonnigen Ostermontagmorgenstunden, kamen wir dann in Little Bay an. Der Anker hielt gleich beim ersten Versuch, der Dinghimotor lief auch irgendwann und so mussten wir nur noch einklarieren. Selbst das war, für einen Feiertag relativ schnell erledigt. Nachdem wir den Zuschlag von knapp 30 Euro gezahlt und uns einen weiteren Stempel im Pass (was ein Glück, der Landesstempel von Montserrat ist ein Shamrock, also ein vierblättriges Kleeblatt) abgeholten hatten, ging es mit Christian, unserem Taxifahrer los, zu einer dreistündigen Inseltour.
Montserrat ist für seinen aktiven Vulkan bekannt und viele Wissenschaftler haben davor gewarnt, dass er eines Tages ausbricht. Aber wie das meistens so ist, hat keiner darauf gehört und der schönste, aber auch gefährlichste Teil der Insel wurde munter bebaut und besiedelt. Was die Wissenschaftler aber nicht voraussagten, war der tatsächliche Ausbruch des Vulkans im Juni 1997. Den Bewohnern der Hauptstadt Plymouth blieb also gerade genug Zeit ihre wichtigsten Dinge einzupacken und sich in den nördlichen Teil der Insel zu flüchten bevor Massen von Erde, Steinen, Lavastaub und Asche über den Süden der Insel niedergingen. Plymouth und seine Vororte, sowie das größte Hotel mit seinem Golfplatz, wurden darunter begraben. Plymouth und seine Vororte sind immer noch gesperrt, über den einstiegen Golfplatz kann man mittlerweile aber wieder fahren, allerdings liegt der Golfplatz jetzt ca. 6 m tiefer. Das Ziel unsere Tour war der Garibaldi Hill, von dem man einen hervorragenden Blick auf all das was vor zwölf Jahren begraben wurde hat. Unglaublich. Wie in einem amerikanischen Science Fiction Film sieht es aus, wenn man auf die einstiege Hauptstadt schaut. Im Hintergrund raucht immer noch der Vulkan und die Bewohner erleben hin und wieder mit, wie sie von Ascheregen oder Nachbeben überrascht werden.Vor dem Ausbruch lebten 11.000 Menschen auf der Insel, nun sind es nur noch 4.000, die in einer völlig neu errichteten Hauptstadt leben. Alle anderen haben die Insel verlassen, um woanders ein neues, sichereres Leben zu beginn. Zum Glück gehört Montserrat immer noch zu Großbritannien und so erhält die Insel eine ordentliche Unterstützung. Ohne diese wäre die Insel nach dieser Katastrophe auch sicherlich nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen. Mittlerweile exportieren sie den Lavasand als Baumaterial auf alle anderen Insel und versuchen wieder ins Touristengeschäft einzusteigen. Da man aber nur auf die Insel fliegen kann, ist es für viele Menschen also eher unattraktiv die Insel zu besuchen. Außer uns ankerte auch nur noch eine andere Yacht in der Bucht. Dabei schien uns Montserrat die sauberste und freundlichste aller Inseln zu sein. Falls wir also im Lotto gewinnen sollten, werden wir eine Fähre kaufen und einen Fährdienst zwischen Montserrat und Antigua ins Leben rufen und endlich einen Grund haben, in der Karibik zu wohnen!!Nach der Rundfahrt waren wir dann einfach nur noch erledigt von all den Eindrücken des Tages. Wie gut, dass in unserer Bucht die große Osterparty stattfand. Auf dem Festivalgelände wurde den ganzen Abend Musik gespielt und es war großartig, das Partyverhalten der Locals zu beobachten. Wenn Partytime ist, dann heißt das hier auch immer, dass alle da sind egal wie klein oder groß. So mischen sich auf sehr interessante Weise die flirtenden Teenager mit allerkleinsten Kindern und ihren ausgehfreudigen Eltern. Leider kam die Party aber nicht so in Gang und so sind wir nach diesem aufregenden und interessanten Tag kurz nach Sonnenuntergang in unsere Kojen gefallen.