(30.1.09 TF) Endlich richtig in der Karibik angekommen. So würde ich die ersten zwei Tage auf St. Lucia zusammenfassen. Im letzten Bericht hatte Charlet sich ja schon ein wenig über Guadeloupe ausgelassen, ich kann dem nur zustimmen. Die Insel kam mir wie das Mallorca der Franzosen vor. Viel alte Franzosen, die 3 Monate auf der Insel verbringen und happy sind, dass sie dort französisch sprechen können. Da außerdem alles aus Frankreich importiert wird, müssen sie noch nicht mal auf ihre gewohnten Produkte verzichten. Der Streik hat sich dann zwar doch irgendwann auf die Gemüter einiger der Senioren durchgeschlagen, aber den meisten wars egal, die hatten ihren Liegestuhl bzw. das Handtuch immer an der gleichen Stelle und ihr Ziel war max. Bräune.
Ansonsten muss man sagen, dass Guadeloupe insgesamt sehr dreckig ist. Wie hat es unsere Gastmutter so schön gesagt, die Franzosen sind schon nicht sehr sauber und ordentlich, da kann man es von den Schwarzen auch nicht erwarten (sie war Belgierin, also keine deutsch-französische Ablehnung, die hier reinspielt). Man müsste nur einen Weg finden, mit Müll Geld zu verdienen, dann wäre man in Guadeloupe schnell ein gemachter Mann. Am besten man spezialisiert sich auf Schrottautos, die findet man an den merkwürdigsten Stellen.
Seis drum, wir sind jetzt ja weg. Wir haben uns dann letzten Dienstagnachmittag entschieden die Insel schnellst möglich zu verlassen. Die einzige Frage war in welche Richtung es gehen sollte. Eigentlich liegen die Regatten und die größeren Segelzentren im Norden von Guadeloupe (Antigua, BVIs USVIs, St. Marten). Doof nur, dass in diese Richtung keine Fähre fährt. Und ein Flug mit der lokalen Fluglinie LIAT liegt dann auch mal schnell bei 350 für uns beide für nen Flugzeit von 45 min. Nach Süden geht jedoch eine Fähre, die bis nach St. Lucia läuft. Und St. Lucia habe ich ja noch von dem ARC 2006 in bester Erinnerung. Nette Mensche, günstigere Preise, ne große Marina also nichts wie hin. Gut das am Mittwochmorgen um 8:00 ne Fähre geht. Also Sachen packen und schnell noch ein Hostel für die erste Nacht organisieren. Ohne Unterkunft für die erste Nacht zu reisen, kann schnell zu teueren Überraschungen führen. Auch macht es sich bei der Passkontrolle immer sehr gut, wenn man weiß wo man wohnt, steht ja meist auf jedem Einreiseformular.
Am Mittwochmorgen geht es dann um 7.00 Uhr auf zur Fähre. Gott sei dank ist unsere Herbergsmutter so nett, uns gegen ein kleines Entgelt zum Terminal zu fahren. Um die Uhrzeit mit zwei Rucksäcken zu trampen, kommt wahrscheinlich nicht so gut. An der Fähre erwartet uns dann die nächste Überraschung. Die nette Frau von der Kasse weigert sich uns Tickets für eine einfache Fahrt zu verkaufen. Die Regelung, dass man bei der Einreise ein Rückfahrtticket vorweisen muss, kenne ich zwar auch, aber in 95% der Fälle wird man ja nie danach gefragt. Aber das sich das Fährunternehmen weigert einem eine einfache Fahrt zu verkaufen, hatte ich auch noch nicht. Vermute mal ganz schnöde Geldschneiderei. Franzosen halt. Kaufen also ein Roundtrip, den wir uns dann in St. Lucia wieder erstatten lassen müssen. Haben wir bis jetzt natürlich noch nicht gemacht.
Die Überfahrt mit der Fähre ist ganz schön schaukelig, was den meisten unserer Mitreisen schnell auf den Magen schlägt und binnen einer halben Stunde verwandelt sich das Boot in ein schwimmenden Kotzkübel, der mit ca. 35 kn über die Wellen schießt und regelmäßig große Schauer übers Deck spritz, so dass an Frischluft kaum zu denken ist. Alles Training denken wir uns und behalten aus Protest unseren Mageninhalt in uns. Das gute ist, dass die einzelnen Fahrtabschnitte nur recht kurz sind (eine bis anderthalb Stunden). Wir stoppen zwischendurch in Dominica und Martinique, und landen schließlich um halb drei in St. Lucias Hauptstadt Castries. Rückfahrtticket interessiert natürlich keine Sau, viel wichtiger ist, dass ich schon mal in St. Lucia war ja ja ist das schönste Land der Welt, feel good Country. Aber irgendwie haben sie recht, ich fühl mich gleich viel besser, als wir den Zoll hinter uns haben. Die Leute sprechen Englisch, d.h. ich kann auch wieder an der Kommunikation teilnehmen, das Französische lag mir ja nicht so. Schön ist auch, dass alles verhandelbar ist und ich mich durch das letzte Mal ein wenig auskenne. Öffentlicher Transport erfolgt hier mit unzähligen Kleinbussen, die dauernd zwischen den Städten pendeln. Einfach Hand raus und schon gehts los. Oder als Tourist einfach auf der Seite des Fahrers (hier wird übrigens auch rechts gesteuert) endlang laufen und schon wird man mehrmals von anhaltenden Kleinbussen eingesammelt.
Wir brauchen aber erstmal ne Bank um meine absolute Lieblingswährung abzuheben East Caribean Dollar (EC -> auch gerne Easy genannt, ungefähr 1 zu 4). Und dann doch ganz nobel in Taxis, nachdem der Preis mal schnell von 40 US Dollar auf 15 EC Dollar gesunken ist.
Unser Guesthouse ist nett und im Gegensatz zu uns auch sauber. Also schnell ins Wasser, der Strand ist genau eine Querstrasse entfernt. Abends erkunden wir dann noch ein wenig Gros Islet, allerdings hat man das Dorf auch ca. 20 min durchlaufen und dabei keine Querstrasse ausgelassen. Abendessen besteht aus Chicken vom Grill, wird es wohl noch öfter geben. Dabei stoßen wir auf Kapitän Artis, alten Exil Kanadier, der auf die CIA flucht, und wohl mal nen Frachtschiff zwischen St. Lucia und Martinique betrieben. Was von seinen Geschichten Wahrheit und Dichtung war, hinterfragen wir mal lieber nicht. Der nächste Morgen beginnt mit der obligatorischen Schwimmrunde bevor wir uns auf die Suche nach einem neuem Zimmer machen. Das alte ist zwar schön aber für unser Gefühl noch ein wenig teuer und wir wollen mal die Lage checken.
Nach ner Stunde suchen und verhandeln, entscheiden wir uns für ein Zimmer in einem der wenigen zweistöckigen Häuser, schön oben mit Blick aufs Meer. Sind die einzigen Gäste, gibt nen super Preis (25 die Nacht für Doppelzimmer mit Dusche, Kühlschrank, Küchen und Internet). Danach gehts auf in die Marina mal die Lage checken. Alles ganz neu renoviert und für Megayachten ausgebaut, leider sind nur wenige da. Dafür sind die Stege prall gefüllt und wir gehen erstmal ne Runde Boote schauen. Anschließend machen wir uns auf den Weg zum Strand auf der anderen Seite der Marina, Gott sei Dank sind wir aus Guadeloupe noch laufen gewohnt. Was soll man sagen, Strand gut, Wasser warm. Allerdings gabs dann doch nen Highlight, Hochzeit am Strand. Junger, kleiner weißer Engländer heiratete hübsche Schwarze, die ihn um einen guten Kopf überragt aber schön anzusehen. Den Abend lassen wir in einer kleinen Bar (siehe Bericht) am Eingangskanal zur Marina ausklingen.Am Freitag basteln wir uns erstmal neue Zettel zum Aufhängen in der Marina. Einer der Gründe warum wir aus Guadeloupe verschwunden sind, war ja auch, dass der Hafen da eher klein war. Hier erhoffen wir uns mehr Glück, wollen uns aber auch im richtigen Licht präsentieren. Wir haben in Deutschland zwar schöne Segellebensläufe gemacht, allerdings erscheinen die uns hier nicht unbedingt geeingnet. Sind vielleicht doch etwas steif geraten. Diese künstlerischen Meisterwerke hängen wir dann an zwei Orten in der Marina und im nahegelegen Baummarkt auf und hoffen damit alle möglichen Anlaufstellen für Segler abgedeckt zu haben.
Nach dieser anstrengenden Aktion genießen wir erstmal einen richtigen Cappuccino und ein Pain au Chocolat. Irgendwie gabs das nicht in Guadeloupe. Wir haben inzwischen eine weitere Mail von einer Regatta in St. Croix erhalten, die Dame ist wirklich sehr bemüht und verschafft uns einige interessante Kontakte. Allerdings taucht dabei auch eine weitere Unannehmlichkeit auf. Die Veranstaltung ist auf den Amerikanischen Virgin Islands und wie der Name schon sagt, gehören die zu den USA. Und da wir dort ja in den letzten Jahren so einen sehr freundlichen Präsidenten hatten, haben sich die Einreisevorschriften sehr verkompliziert. Vielleicht wisst ihr ja schon, dass man sich jetzt vor jeder Reise in die USA einen Tag vorher anmelden muss. Gut, das schafft man noch irgendwie, allerdings darf man dann nur mit einem approved Carrier reisen und darunter fallen keine privaten Segelboote. Für uns heißt das, dass wir entweder ein Visum benötigen (nächstes US Konsulat ist auf Barbados) oder nicht direkt einreisen können. Wir können es nicht ganz glauben und beginnen am Steg einige Amis anzuquatschen, die allerdings davon auch keine Ahnung haben. Ein deutscher Segler, den wir treffen, bestätigt allerdings unsere Befürchtungen, ist sich aber nicht ganz sicher. Für ihn ist das als Schiffseigner auch wieder was anderes. Sein Name ist Charly und er betreibt mit seiner Frau ein kleines Charterunternehmen, das eigentlich nur aus den Beiden und ihrem Schiff besteht. Ihr mal seine Internetseite: www.charlys-segelreisen.de . Den Nachmittag verbringen wir dann halb am Strand und halb vor dem Rechner, die Sache mit dem Visum lässt uns keine Ruhe. Richtig schlau werden wir allerdings auch nicht.
Bevor am Abend die Jump-Up Party losgeht, erhalten wir jedoch einen erfreulichen Anruf. Der erste Schiffseigner hat unseren Zettel gelesen und findet uns ganz interessant. Zwar müssen wir uns an den Kosten beteiligen, aber das wir ganz umsonst segeln können war nicht anzunehmen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag um 11:00 auf seinem Schiff.