G e s c h a f f t ! !

(26.05.09 // ch) Juheeeeee!Wir sind in Mallorca. In Palma. Im Club de Mare haben wir heute morgen um 11 Uhr angelegt. Endlich. Nach 4439 Seemeilen. Jetzt ist auch gut.

Hier erstmal der Bericht von den letzten 10 Tagen… WIR MELDEN UNS WIEDER!

 

(FR 15.05.09 // ch) Die nächste Etappe beginnt – wie jede andere zuvor in Hektik. Tom und ich mussten morgens noch so viel besorgen, dass wir es mit ach und krach schaffen, um 10 Uhr morgens wieder an Bord zu sein. Für alle Fälle hatten wir schon unsere Pässe bekommen, dann hätten wir auch auf einem anderen Schiff anheuern können.Der erste Tag auf See ist sonnig, teilweise kommen wir nur langsam zwischen den Azoren-Inseln hindurch dafür aber mit neuen Gesprächsthemen, weil wir das Wachsystem umgestellt haben. Wir hatten einfach keine Lust mehr auf unsere Männer und nun haben wir ein rotierendes System eingeführt wonach man jede dritte Wache mit einem neuen Mann hat. Mal sehen ob sich das ausgeht.(SA 16.05.09 // ch) Deja vu – ja, die Ecke hier haben wir tatsächlich schon mal gesehen, nämlich vor genau vier Monaten sind wir schon mal an der südöstlichsten Spitze von San Miguel, Azoren vorbeigefahren. Damals in die andere Richtung und unter Motor. Ist aber schon ein gutes Gefühl hier wieder vorbei zu kommen, heißt damit ja auch, dass wir uns der Heimat nähern. Zumindest war es beim letzten Mal als wir hier waren, gefühlt wärmer. Ich habe alle Schichten an, die Bräune ist nun bald dahin und es wird Zeit, dass wir das Mittelmeer erreichen.Wir laufen ganz gut, die Sonne scheint, der Wind kommt mit einer angenehmen Geschwindigkeit aus Norden und somit beginnen schon die ersten Hochrechnungen wann wir Tarifa erreichen werden. Noch sind es allerdings 900 Seemeilen.Was wirklich fehlt, ist das abendliche Gespräch mit der PvS über die Position und Annäherung an das Zwischenziel. Die sind zwar am Freitag auch los gefahren aber direkt nach Norden, da ihr Reiseziel Hamburg heißt.(SO 17.05.09 // tf) Sonne / Regen / Wind / Flaute – Heute hatten wir wirklich alles. Während der Morgen noch ganz ordentlich lief, nahm der Wind zum Mittag hin so ab, dass wir die Segel geborgen und den Motor angemachten haben. Dabei war der Wind noch nicht ganz weg, aber die Dünung war so hoch, das die Segel wie wild geschlagen haben, ein Umstand der einem ganz schön die Nerven rauben kann. Die Dünung, also die Wellen, die über lange Strecken hinweg entstehen, wenn der Wind aus einer Richtung bläst, hat inzwischen so eine Höhe von fünf Metern erreicht, da fährt man ganz schön „Fahrstuhl“ auf und ab. Mal kann man sehr gut in die Ferne sehen, mal hat man nur Wellen um sich herum. Zum Nachmittag hat der Wind dann Gott sei Dank wieder zugenommen, teilweise sogar richtig stark so dass wir mit 10 Knoten Fahrt durchs Meer gepflügt sind (Charlet hat 11,5kt gemacht und hält damit den heutigen Rekord). Allerdings gab’s dazu auch den ersten richtigen Regen seit langem, bestimmt 2,5 Stunden richtig große Tropfen. Jetzt zum Abend hin hat sich alles wieder ein wenig beruhigt, weniger Wind, kein Regen und schöne Abendsonne. Mir ganz recht, habe gleich Wache. Gestern Nacht und heute tagsüber hatten Charlotte und ich dann auch mal endlich zusammen Wache, dem neuen Wachsystem sei Dank. Da kann man dann doch mal wieder ein wenig in Ruhe quatschen, wo man sonst nicht so dazu kommt, obwohl wir eigentlich auf so kleinem Raum zusammen leben. Aber es bleibt doch wenig Zeit füreinander, wenn man schlafen, essen und das Schiff fahren muss. Ich fühle mich teilweise eher wie eine Maschine oder besser ein Teil der Maschine Segelboot, das dafür verantwortlich ist, das sich die Maschine (das Boot) bewegt. So beherrscht das Vorankommen unser ganzes Leben hier an Bord. So wie jetzt wo ich aufhören muss um mich für die Wache anzuziehen.(MO 18.05.09 // ch) Kälter geht’s nicht mehr – oder? Schon lange war mir nicht mehr so kalt, ich habe mittlerweile alles an (mit Ölzeug sind das vier Schichten) und trotzdem steigt die Kälte in mir hoch. Und dabei nähern wir uns doch mit großen Schritten dem Mittelmeer und tagsüber scheint auch immer wieder schön die Sonne. Mein Wärmegefühl ist wohl einfach noch in der Karibik. Zudem lese ich noch eine der Karibik-Bibeln; die Geschichte eines New Yorkers, der sich ein Hotel in der Karibik kauft und so seine lieben Probleme mit den Locals hat. Jaja, das Paradies hat seine Tücken. Aber warm is et!(DI 19.05.09 // ch) Flaute schieben – die PvS (der abendliche Funkaustausch findet zum Glück wieder statt) hatte in der Nacht 40 Knoten Wind. Wir haben keinen. Und müssen Motoren. Mühsam. Dafür können wir endlich wieder kurze Hosen anziehen und uns zum lieben langen Lesetag aufs Sonnendeck verziehen. Dazu können wir bei der spiegelglatten See jede Menge Wale beobachten. Immer wieder bläst einer links oder rechts von uns seine Fontäne. Bestimmt 15 Stück sehen wir über den Tag verteilt mal von näher, mal von weiter. Aber groß, träge und beeindruckend sind sie alle. Abends haben Charlet und ich dann Königsberger Klopse gekocht. Hat alles gut geklappt, glaube ich hab jetzt den Dreh mit der Mehlschwitze endlich raus. Geschmeckt hat es anscheinend auch allen, zumindest waren am Ende des Essens alle Töpfe leer. Nachts hatten Charlet und ich dann mal wieder zusammen Wache. Bei einer Bootsgeschwindigkeit von 3,5 kt hat man ne menge Zeit zum quatschen und Pläne schmieden. Mal sehen, wo das alles hinführt.(MI 20.05.09 // tf) Lage schieben – endlich! Die Schräglage ist zurück. Durchs Boot gehen erfordert wieder feste Griffe, die Leesegel sind wieder an den Kojen (Leesegel = Stoff der an der offenen Seite der Koje aufgespannt wird, damit man nicht aus dem Bett fällt) und kochen wird zum artistischen Akt. Gott sei Dank warten wir gestern mit dem Kochen dran. Der Tag tröpfelte dann einfach so vor sich hin, hier wie er bisher war: 00-03 Wache dann wieder ins Bett; 09:00 Aufstehen Kaffe machen (Cappuchino genau gesagt, Jördis hat Espressomaschine und Milchschäumer mit gebracht, Charlottes Augen haben geleuchtet als sie das sah);10:00 bis 14:00 Wache mit Frühstück/Mittag um 12:30; 14:00-14:30 Kurz mal in die Koje hauen; 15:00 Kaffee und Kuchen; 15:30 Duschen (draußen am Deck mit Salzwasser und Eimer, ziemlich kalt); 16:30 an den Computer, fotos sortieren und eMails schreiben; 18:00 Abendbrot. Zwischendurch dann immer noch mal Abwaschen, Charlet und ich haben heute Backschaft, dazu noch Tee kochen und schwupps ist der Tag rum.(DO 21.05.09 // ch) Die Hochrechnungen laufen wieder – denn irgendwie haben wir nun alle langsam Sehnsucht nach Land. Immerhin geht es wieder flott voran, wir haben den Blisterspi gesetzt und kommen teilweise mit 8 Knoten voran. Und wir sehen Frachtschiffe en Mass. Ein gutes Zeichen, dass es nicht mehr weit ist. Mittlerweile spreche auch alle immer mehr darüber wieder zu Hause sein, schreiben to do Listen, holen die Telefon raus und versuchen erreichbar zu sein. Dabei sind wir in Gibraltar ja immer noch nicht am Ziel unserer Reise sondern haben dann immer noch knapp vier Tage bis Palma vor uns. Aber Mittelmeer ist Mittelmeer und eben doch mehr Europa als die Azoren waren.(FR 22.05.09 // ch) Schnellstrasse nach Gibraltar – und wir fahren auf der rechten Spur mit 6 Knoten unter Motor dahin, links zieht ein Frachter nach dem anderen an uns vorbei. Gutes Zeichen dafür, dass wir nicht mehr weit von der Meerenge zwischen Europa und Afrika entfernt sind. Schon wieder hatten wir nachts keinen Wind und sind die letzten 10 Stunden motort. Das Meer liegt starr, aber nicht mal mehr Wale und Delphine kommen uns hier an diesem Verkehrsknotenpunkt besuchen.Da wir ja auf der Schnellstrasse sind, kommen uns auch keine Frachter quer. Nicht so wie gestern, als wir unter Spi waren, mussten wir ein riesiges Containerschiff anfunken und haben es gebeten auszuweichen. Ohne eine Antwort hat es dann seinen Kurs geändert. Wie nett, denn ansonsten lautet ja die Devise: CARGO FIRST, pleasure second!! Und wir sind ja nun mal nur Spassveranstaltung.Voraussichtlich werden wir Gibraltar irgendwann nach Mitternacht erreichen, Manfred hat uns schon mal eine persönliche Zeichnung von der Lichterführung der Straße von Gibraltar gegeben: eigentlich ist alles ganz einfach. Links ein Licht, recht ein Licht und schon ist man da. Schaun mer mal.(SA 23.05.09 // ch) Nix mit ausschlafen – wie lange hatten wir uns darauf gefreut in Gibraltar auszuschlafen, ausführlich zu duschen und ordentlich Essen zu gehen. Aber nichts da. Nach einem kurzen Tank- und Brot-Shop-Stop sind wir wieder auf See. Nun geht’s direkt und so schnell wie möglich nach Mallorca.Des Nachts hatten wir die Straße von Gibraltar passiert, was Tom und ich verschlafen haben, da wir dann doch schneller gesegelt sind als gedacht, wir aber vor unserer Wache  noch mal ne Stunde schlafen wollten. Naja, eigentlich sah man wohl eh nur viele Lichter, viele Tanker und dazu nen ordentlichen Regenschauer mit einem Wetterleuchten. Die Einfahrt in die Bucht von Gibraltar war dann auch eher ernüchtern: lauter ankernde, stinkende Tanker und am Ende im Dunkeln neben dem schemenhaftem Felsen die Ölraffinerien. Die Marina war komplett voll und das Anlegen an der Tankstelle verbat uns das Polizeiboot, was unvermittelt aus dem Dunklen auftauchte. Na gut, also gehen wir vor Anker und morgen ist die Welt wieder schön. Nach einem Prosecco war zumindest die Stimmung wieder gerettet!Am nächsten Morgen sieht es leider kein bisschen besser aus: nach knapp vier Stunden Schlaf sind wir pünktlich um acht an der Tankstelle, um dann in den nächsten zwei Stunden herum telefonieren herauszufinden, dass es in der Marina auch heute keinen Platz für uns gibt, wir hier eigentlich gar nicht an Land dürfen ohne einzuklarieren (was wir aber nur können wenn wir einen Platz in der Marina haben) und der Zoll, bei dem Manfreds heiß ersehntes, neues, mehrwertsteuerfrei gekauftes Dinghi liegt erst wieder am Dienstag aufmacht. Wochenende ist Wochenende und Montag ist in Grossbritanien Bank Holiday. Na grossartig. Zumindest lässt uns der Tankwert zum Einkaufen an Land und so können wir uns schnell noch wieder mit dem nötigsten Versorgen bevor wir wieder unterwegs sind.Immerhin spielt hier der Wind mit, der bläst mit guten 15 Knoten von achtern, so dass wir schnell vorankommen. Meine neue Höchstgeschwindigkeit von 12 Knoten ist dann auch Entschädigung genug für alle entgangenen Freuden.(SO 24.05.09 // tf) Autobahn nach Ibiza – oder fahren wie auf Schienen. Seitdem wir Gibraltar verlassen haben treibt uns ein beständiger Westwind voran. Gestern hatten wir sogar das beste Etmal der ganzen Reise 190sm. Fast scheint es so also ob Neptun ein einsehen hätte und uns schnell nach Hause segeln lässt. Nach über vier Wochen an Bord ist doch eine gewisse Sehnsucht nach dem Land vorhanden. Einfache Sachen wie Durchschlafen, Duschen mit warmem Wasser, Schlafen in einem breiten Bett, leckeres Essen, ausreichend Schwarzbrot und ähnliche kleine Annehmlichkeiten des Landlebens. Aber zumindest haben wir durch unsere schnelle Reise eine erhöhte Tagesration an Schokolade, die Charlet noch schnell vor der Abfahrt in Gibraltar gebunkert hat. Ansonsten verging der Tag relativ schnell. Allerdings habe ich auch ein angenehmes Mittagsschläfchen von 14:30 bis 17:30 gehalten, eine Sache die ich an Land sicher vermissen werde. Bin ja mal gespannt wie das überhaupt mit dem Schlafen klappt, ob wir noch in dem Wachrhythmus gefangen beleiben oder uns schnell umstellen können. Ansonsten ist an Bord alles klar, da wir inzwischen sehr nah an der spanischen Küste fahren, wird viel telefoniert, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Aber jeder hat seine eigene Art mit dem Ende einer so langen Reise umzugehen. Bei allen Kreisen die Gedanken aber auf alle Fälle schon wieder um die Heimat und die dort anstehenden Aufgaben. Es sind ja nur noch geschätzte 30 Stunden bis wir in Malle ankommen, das Ende unsere Reise ist also schon sehr Nahe. 

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.