Zwanzig endlose Stunden

(12.04.09 // ch) Zwanzig endlose Stunden war der Karfreitag lang. Zwanzig Stunden haben wir von Cooper Island, welches schon ein wenig südöstlich von Tortola liegt, bis nach St. Kitts gebraucht. Zwanzig Stunden auf einem Bug, ohne ein einziges Manöver, mit stündlichem Wasserschöpfen und verschiedenen Variationen von Sandwichen.

 

Nach zwanzig Stunden gegen den Wind, nassen Klamotten und einem von oben bis unten salzigem Boot waren wir dann um Mitternacht endlich im kleinsten Hafen der Welt: Port Zante in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts. Mit letzter Kraft haben wir uns noch neben eine Katamaran gelegt, auf dem uns vier redseligen Amerikanerin empfingen und sind sofort eingeschlafen. Am nächsten Morgen um sechs mussten wir uns dann erstmal noch mehrmals im Hafen umlegen, bevor wir halbwegs ausgeschlafen, bei der Hafenbehörde eincheckten konnten. In einem Heer von Kreuzfahrtschiffgästen haben wir dann ein Auto gemietet und sind los, um die Insel zu erkunden. St. Kitts eigentlich St. Christopher, nach Christopher Kolumbus, der sie entdeckt hat, ist eine lustige Insel. Auf der Karte sieht die Insel wie ein Fisch aus, der nördliche Teil ist der Körper, der kleinere, südlichere Teil, die Schwanzflosse. Der Körper von St. Kitts ist von zwei hohen Bergen, die schön symmetrisch in der Mitte der Insel liegen, dominiert. Zum Glück laufen diese Berge zum Meer hin aber relativ flach aus, so dass an den Hängen genug Platz für Straßen, Siedlungen und sogar eine Eisenbahn bleibt. Zu gerne wäre ich einmal mit der Inselbahn gefahren aber für 200 Dollar war uns der Spaß dann doch ein wenig zu teuer. Mit dem Auto kann man nun entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn um die Insel fahren (es gibt nur eine Straße) und verschiedene Sachen entdecken. Dazu gehört das Fort Brimstone Hill, das sogar Weltkulturerbe ist (jaja, wir trinken hier nicht nur sondern gucken uns auch historisch wichtige Dinge an!!). Das Fort ist großartig erhalten und man hat einen super Blick auf die Nachtbarinsel St. Eustatius. Und wie sollte es anders sein, das Fort wurde natürlich von Sklaven erbaut und von den Engländern als Verteidigungsposten gegen die Franzosen eingesetzt. Hat aber alles nichts genützt, irgendwann haben die Franzosen gesiegt, und dann mal wieder die Engländer. Und eigentlich waren alle nur auf dieser Insel, um Zuckerrohr zu ernten und zollfrei einzukaufen (können die Kreuzfahrtleute auch immer noch). Einige Plantagen sind auch noch erhalten und man kann für viel Geld dort heiraten oder Mittag essen. Haben wir uns auch gespart. Dafür haben wir uns noch ein paar schöne Aussichtspunkte und alte Kirchen und Friedhöfe angesehen. Zwischendurch trifft man immer wieder auf Ziegen, Affen, Kühe und Mongoose, die schnell oder weniger schnell vor einem die Straße überqueren.Die Strände befinden sich alle in der Schwanzflosse von St. Kitts, hier sind auch alle Hotels auf einem Haufen versammelt. Das haben wir uns dann nicht mehr so genau angesehen, Hotelburgen sind ja überall auf der Welt sehr ähnlich.Abends haben wir dann in einem kleinen Restaurant mit Blick über den Circus, angeblich wie der Piccadilly Circus in London (immer in Relation zu sehen: hier leben ja gerade mal 20.000 Menschen) gegessen.Nun bereiten wir uns gerade darauf vor, morgen ganz früh Richtung Montserrat zu segeln. Endlich und unbedingt wollen wir noch die Insel sehen, die vor zehn Jahren zum Großteil von einem Vulkanausbruch zerstört wurde. Am Dienstag mittag wollen wir dann in Antigua sein, wo unsere Arbeit als Voluntäre dann am Dienstag Abend mit der Inempfangnahme von den Voluntäres-Tshirts beginnt.

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