Vorletzter Tag auf See

(20.01.09//ch) Es ist unglaublich, in knapp 40 Stunden werden wir schon wieder von Bord der MV Hornbay gehen. Die Zeit ist so wahnsinnig schnell dahin geschwommen, alleine der Tag heute ist wie im Fluge auf dem Laufband, mit drei Mal in den Pool springen und lesen vergangen. Unsere Körper und vor allem der Geist sind total entschleunigt von der Gleichsamkeit der Dinge aber auf der anderen Seite scheint die Zeit so schnell zu vergehen, wie Wasser an uns vorbei fließt. Und das ist jede Menge. Wir fahren mit einer Geschwindigkeit von im Durchschnitt 18 Knoten, was mehr entspricht, als man in einer Spielzone fährt. Und durch die zusätzliche Bewegung der Wellen und dem Ziehen der Wolken scheint alles noch schneller zu vergehen. 

blick von der  brücke regenbogen über dem meer sonnenaufgang

Die letzten zwei Tage sind wir morgens relativ früh aufgestanden, haben gerade noch das Frühstück miterlebt und gestern haben wir danach eine Führung über das Schiff gemacht. Wir haben uns angeguckt, wo der Strom für die Kühlcontainer herkommt, wo die 210 Meter lange Ankerkette gestaut wird und wie unter Deck der Frachtraum für Fahrzeuge aussieht. Tatsächlich stehen hier zwei Traktoren und eine Walze. Dazu drei alte kleine Peugeuts und ein Caravan. Der zweite Offizier Vassily erzählt uns, dass normalerweise der ganze Frachtraum voll ist – meistens mit Porsche Cayennes. Mhh. Ist auch den Franzosen in der Karibik das Geld ausgegangen oder laufen die Drogengeschäfte in Kolumbien nicht mehr so gut? Keiner weiß es – macht aber auch nichts. Jeder Törn hat unterschiedliche Ladung. Einmal ist sogar ein ganzer Zoo mit Löwen, Tigern, Elefanten und sonstigem Getier aus Frankreich mitgefahren. Merkwürdige Vorstellung. Und hoffentlich hatten die auf der Fahrt nicht solch einen Sturm wie wir!

besichtigungstour charlet mit helm blick vom vorschiff traktoren unter deck

Ansonsten sind wir nun regelmäßige Gäste des Pools: der ist zwar unwesentlich größer als eine Badewanne, bringt dafür aber eine ordentliche Abkühlung und die nötige Bewegung, da er bei den Schwankungen des Schiffes natürlich mehr einem Wellenbad gleicht! Außerdem kann man sich mit Hilfe einer Halterung wie Tarzan über das Becken schwingen und sich dann mit einer Arschbombe ins kalte Meerwaschen platschen lassen. Großartig. Selbst so einfach Dinge können großen Spaß machen.Ansonsten denken wir natürlich immer mehr über unsere Ankunft nach. Mittlerweile haben wir sogar in den beiden Reiseführern die Kapitel über Guadeloupe gelesen. Und es wird immer mehr klar, die Karibik ist nicht günstig. Was eine Planung nicht einfacher macht. Was macht man bei so viel Auswahl, so viel Sonne, so wenig Geld und eigentlich dem Wunsch ganz viel zu Segeln. Wobei ich  mir damit gar nicht mehr so sicher bin. In der Bibliothek an Bord hat Tom das Buch „Der Fall Apollonia“ gefunden. Julia, ich bring Dir das Buch mit, damit Du dann auch die ganze Geschichte kennst. Naja, auf jeden Fall ist das keine schöne Geschichte übers Segeln.

Aber noch sind wir an Bord, waschen noch mal all unsere Wäsche, beobachten das Steigen der Temperatur, kaufen Souvenirs von der Horn-Linie, verteilen unsere letzte Schokolade zum Nachtisch, frieren unter der Klimaanlage, Tom sortiert und sortiert und sortiert die Musik auf dem Rechner und wir gucken die Sterne an. Dank Paul wissen wir nun endlich was so hell vor uns scheint (Venus) und was so hell hinter uns scheint (Nordstern) und was so hell an Backbord scheint (Sirius). Sternschnuppen haben wir auch schon gesehen, auch schon fliegende Fische. Nur Land sehen wir noch nicht.

Und hier noch ein paar Blider von der Besichtigung des Rettungsbootes, das „abfallbereit“ am Heck im 70 Grad Winkel hängt.

sitzprobe im rettungsboot im rettungsboot

nur noch eine nacht

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.